Jean Portante
 

Je pense DONC je fuis !


Jean Portante

Schriftsteller

aus dem Französischen : Ich denke DARUM fliehe ich !

Jean Portante wurde 1950 als Sohn italienischer Eltern in Differdingen geboren, einer Industriestadt in Luxemburg. Seine Kindheit, auf die er sich in seinem Roman „Mrs. Haroy oder die Erinnerungen eines Wales“ (2005 auf Deutsch erschienen) bezieht, ist von dieser doppelten Zugehörigkeit, oder besser von einer doppelten Nicht-Zugehörigkeit geprägt. Wie fast jeder Reisende fühlte er sich als Weltbürger. Wie der Wal, der als Säugetier beschloss, in die Ozeane auszuwandern, weiß er, dass er weder zu dem verlassenen Stück Erde noch zu dem gehört, auf dem er sich niedergelassen hat. Sein ganzes Werk, das rund 30 Titel zählt, ist davon geprägt. Portante schreibt auf Französisch, das für ihn außerhalb des Binoms Italien-Luxemburg steht, eine von ihm erlernte und beherrschte Sprache, die es aber für ihn weiter unaufhörlich zu erschließen gilt. Portante sagt, dass es eine „fremde Sprache“ sei (so lautet auch der Titel eines seiner Sammelbände, in Frankreich mit dem Prix Mallarmé ausgezeichnet), in deren Rahmen er sein kleines Babel im elterlichen Haus seiner Kindheit reflektiert, wo man sowohl italienisch als auch luxemburgisch und französisch spricht. Im sprachlichen Flechtwerk Luxemburgs, wo die Kinder auf Deutsch alphabetisiert werden, kann er dies nur in dieser „fremden Sprache“ – oder „Walfischsprache“, die andere Sprachen „einatmet“. Das Schreiben Jean Portantes ist eine unendliche Reise von einer Sprache zur anderen, die es ihm in seiner Poesie erlaubt, zu „neologisieren“ und die französische Sprache zu „verfremden“. Portante spricht auch von „effaçonner“, als von einer Mischung aus „verwischen“ und „bearbeiten“, damit eine neue Sprache entsteht. Das poetische Werk Portantes ist demnach ein langsames „effaçonnement“. In seinen Romanen vermischt er Geschichte, Autobiographie und Fiktion miteinander, um über die Fallen der Erinnerung, der Identität und der Migrationen aufzuklären.

Portante begann mit 33 Jahren zu schreiben. Zuvor studierte er in Nancy, engagierte sich in der 68er Bewegung und war Französischlehrer. Als er 1983 seinen ersten Gedichtband „Feu et boue“ (Feuer und Schlamm) schrieb, zog er nach Paris. Während langer Aufenthalte in Lateinamerika wurde er mit der spanischen Sprache vertraut und entwickelte sei mehr als 20 Jahren eine rege Aktivität als Übersetzer – insbesondere von Juan Gelman, aber auch von Gonzalo Rojas und ungefähr zehn weiteren spanisch-, deutsch-, englisch- und luxemburgischsprachigen Autoren. Seine eigenen Bücher wurden vielfach übersetzt.

Zurzeit leitet er in Luxemburg die Kollektion Graphiti (Poesie) der Editions PHI und ist Mitarbeiter der Wochenzeitung „Le Jeudi“. In Frankreich ist er Mitglied der Académie Mallarmé und der Jury des Prix Apollinaire. 2003 erhielt er den „Grand Prix d`Automne de la Société des gens de lettres“ für sein Gesamtwerk. Sein Roman „Mrs. Haroy oder die Erinnerungen eines Wales“ wurde 2010 verfilmt, und Portante erhielt den Servais-Preis. In Luxemburg gründete der Dichter die literarische Revue „Transkrit“, die sich der Übersetzung zeitgenössischer Literatur widmet. In Frankreich gründete er die Revue „Inuits dans la Jungle“ mit, deren erste Nummer im Juni 2008 erschien.